Ferienhäuser Karin Minor
Urlaub in der Bretagne / Frankreich

19. Oktober 2017
Wandern in der Bretagne: auf Mariannes Spuren zwischen Kerdruc und Port Manec'h (GR 34)

Kennen Sie das Buch "Die Mondspielerin" von Nina George? Nein? Dann empfehle ich es hiermit Ihrer Urlaubslektüre, denn es ist wirklich lesenswert! Ein Buch, das Mut macht und gut tut. Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, den Wert des Lebens und natürlich auch über die Bretagne. Kerdruc, das kleine Dorf am Aven im südlichen Finistère, um genau zu sein.

Sie kennen es schon? Um so besser, denn dann wissen Sie sicher auch, welchen Wanderweg ich Ihnen heute vorstellen möchte. Genau: das Teilstück des Küstenwanderwegs GR34 zwischen Kerdruc und Port Manec'h, immer am Ufer des Aven entlang. Den Weg, den Marianne jeden Morgen gegangen ist, um das Meer zu sehen und zu entscheiden, ob ihr Leben wohl einen weiteren Tag wert ist...

"Grande Randonnée 34" ein Wanderweg, der um die gesamte Küste der Bretagne herumführt


Einer der bekanntesten Fernwanderwege Frankreichs ist der "GR 34", auch "sentier des douanier" (Zöllnerpfad) oder "sentier côtier" (Küstenwanderweg) genannt. Er führt um die gesamte Bretagne herum: vom Mont Saint-Michel im Norden bis Saint-Nazaire im Süden. Er ist ca. 2000 km lang, da er um jede Bucht und jede Felsenspitze läuft und auch jeden Meeresarm und jede Flußmündung umrundet - immer bis zur ersten Brücke. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde er angelegt, um dem Schmuggel Einhalt zu gebieten, und seit über 100 Jahren ist er nun ein eingetragener Wanderweg. Er ist nicht immer leicht zu laufen, oft muss man ganz schön klettern, aber er bietet grandiose Ausblicke und Fernsichten und ist überall gut markiert in rot und weiß.

Ein Stück Küstenwanderweg am Aven


Meine Tochter Maike und ich haben schon so einige Teilstücke des berühmten "sentier côtier" gesehen, und jedes davon hat sich gelohnt. Auch sind wir schon so manche Stunde durch den Wald am Aven gelaufen, den vor allem meine Tochter so liebt: den Bois d'Amour haben wir gesehen, den Bois de Hénan mit der Gezeitenmühle und der kleinen Kapelle im Wald und auch das Stück von Pont-Aven bis Kerdruc haben wir erwandert. Aber Mariannes Weg kannten wir noch nicht, und da mich dieses Buch sehr angesprochen hatte, wollte ich ihn gern einmal nachlaufen.

Wegbeschreibung: von Port Manec'h bis Kerdruc


Aus praktischen Gründen beschließen wir, ihren Weg umgekehrt zu laufen, also quasi mit ihrem Rückweg zu beginnen, da wir die unmittelbare Umgebung Kerdrucs schon kennen und das Wetter etwas unsicher ist. So könnten wir im Zweifelsfall früher abdrehen. Wir stellen also unser Auto auf den Parkplatz am Hafen von Port Manec'h und laufen von dort aus über die Rue de l'Aven in Richtung Strand. Hinter der Segelschule geht es dann flußaufwärts, zunächst durch ein Wohngebiet mit Ferienhäusern, dann hinein in den Wald.

Wunderschöne Ausblicke auf den Fluß dürfen wir genießen! Flußaufwärts ist das Wasser tiefblau, bunte und weiße Bötchen schaukeln auf den Wellen, während Richtung Mündung die Sonne glitzert. So manche Smaragdeidechse huscht zu unseren Füßen vorbei und über den Blumen am Wegesrand tanzen die Schmetterlinge. Als der Weg bei Erreichen der Anse de Poulguin scharf nach links biegt und den Blick auf das gleichnamige Château freigibt, verlässt uns unser Wetterglück und es beginnt leicht zu regnen.

Bretonisches Wetter: hier wird es mehrmals am Tag schön!


Bald gießt es in Strömen, und wir suchen Unterschlupf bei einer dicken Kiefer. Aber kurz danach kommt die Sonne schon wieder hervor, so dass unserem Mittagsimbiss auf den flachen Steinen bei Kerroched nichts entgegensteht. Herrlich ist der Blick hier auf den Flußarm! Jedoch wird unser Picknick nicht allzu ausgedehnt, wir müssen Baguette und Saucisson schnell wieder wegpacken, denn schon öffnet der Himmel noch einmal seine Schleusen. Aber da es in der Bretagne ja immer mehrmals am Tag schön wird, scheint die Sonne schon wieder warm, als wir in Kerdruc eintreffen. Wie leuchten die Boote auf dem Fluß! Wir genießen den Anblick, schauen den Besuchern des Bistro beim Degustieren der Austern zu und machen uns schließlich auf den Rückweg.

Rückweg durchs Hinterland


Bei mittlerweile schönstem Wetter laufen wir durch Wald- und Hohlwege Richtung Mesmeur und biegen dort nach Süden ab Richtung Kervren, wo der Wald sich lichtet. Bevor wir auf die Durchgangsstraße stoßen, biegen wir wieder Richtung Fluß ab, laufen durch Keraeren und nähern uns Port Manec'h bei der kleinen Kapelle am Strand. Und es wird höchste Zeit, denn der Himmel trübt sich wieder ein. Beim Auto am Hafen angelangt bekommen wir noch ein kleines Geschenk: ein herrlichen Regenbogen über dem Panorama des Hafens und der dahinter liegenden Pointe de Penquernéo!

  • 12,7 km, ca. 220 Höhenmeter
  • ab 2 1/2 Stunden, wenn man stramm durchgeht, wir haben eine Tagestour daraus gemacht und waren insgesamt rund 6 Stunden unterwegs (mit Picknick, Unterstellen und vielen, vielen Fotopausen)
  • meist Waldwege, gut zu laufen, aber auch ein bißchen auf und ab, auch Straßenabschnitte
  • nicht für Kinderwagen oder Fahrräder geeignet

Viel Spaß beim Nachwandern wünscht
Ingrid Doerenkamp