Ferienhäuser Karin Minor
Urlaub in der Bretagne / Frankreich

10. November 2017
Eine Mühle an der Aulne

Ein Blick und wir waren verliebt! Wir bekamen Fotos zu sehen von einem neuen Ferienhaus für unsere Agentur, einer Wassermühle im Herzen des Finistère, und wir wollten nur noch dorthin! Rasch wurde der schon geplante Bretagne-Urlaub verlängert und angepasst, so dass wir auch eine Woche in dieses traumhafte Haus fahren konnten. Die alte Mühle steht direkt an dem malerischen Flüsschen Aulne. So romantisch schön ist es dort, dass einem das Herz aufgeht! Ein großzügiger Garten mit alten Bäumen umgibt das Haus aus Natursteinen, ein kleiner, privater Kanal zweigt vom Fluß ab und treibt das alte hölzerne Mühlrad an, ein blaues Ruderboot ist dort angebunden... idyllischer könnte man es nicht malen!

Idyllische Ruhe

Wir kommen an einem sonnigen Samstagnachmittag im September dort an, und unsere hohen Erwartungen werden tatsächlich nicht enttäuscht. Es ist so still und friedlich hier! Das Mühlrad dreht sich langsam in der Strömung, das Wasser des Flusses rauscht über eine Staustufe, Möwen tummeln sich dort und suchen nach Beute, ein einzelner Seidenreiher stakst durch das seichte Wasser unterhalb der Stufe. Oberhalb ist das Wasser ganz glatt, die Bäume spiegeln sich darin. Die netten Eigentümer erzählen uns, dass es hier sogar Eisvögel gibt, man könne sie vom Haus aus beobachten, wenn man Glück hat.

Innendrin bietet das Haus viel Platz und ist dabei umwerfend gemütlich. Der großzügige, nach oben teils offene Wohnraum wird von einem gewaltigen Kamin aus Granit dominiert, eine bequeme Sitzgruppe befindet sich auf der einen Seite. Ein schöner, antiker Esstisch steht auf der anderen Seite vor einem halbrunden Fenster, das einen schönen Blick in den Garten und auf den Fluss gewährt. Es gibt eine moderne Küche mit allem, was man braucht, um lecker zu kochen, zwei moderne Bäder und fünf gemütliche Schlafzimmer.

Wenn man frühmorgens aus dem Fenster sieht, entfaltet sich die ganze Schönheit der Umgebung: leichter Nebel steigt auf von Wiesen und Wasser, die Sonne bricht durch das Laub der Bäume, auf der benachbarten Wiese weidet ein Pferd... Manchen Morgen liegen wir "auf der Lauer", um neben den wunderschönen Seidenreihern auch einmal einen Eisvogel zu sehen und vielleicht sogar im Foto einzufangen, leider haben wir kein Glück. Aber die Morgenstimmung ist so friedlich, dass wir dennoch vollends entschädigt sind.

Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge

In den nächsten Tagen machen wir viele Ausflüge in die Umgebung. Das Städtchen Carhaix ist nur 15 Minuten entfernt und besticht mit seinem Charme und seinen Restaurants und Boutiquen. Im Touristenbüro spricht man sehr gut deutsch und berät mit Engagement und Begeisterung, hier bekommen wir viele Tipps.

Ein echtes Highlight ist unser Ausflug nach Huelgoat. Wir stellen unser Auto gleich auf den Marktplatz, holen uns in der dortigen Touristeninformation eine kleine Karte und erfahren, dass der Einstieg in den Märchenwald gleich um die Ecke am See ist. Die alte Wassermühle "Moulin du Chaos" am Anfang des Wanderweges ist gut zu finden. Kaum sind wir einige Meter auf dem Weg, kommen wir aus dem Staunen und Gucken nicht mehr heraus, und die Kameras legen wir nicht mehr aus der Hand. Als hätte ein Riese Murmeln gespielt, liegen riesige, moosbewachsene Granitblöcke im Tal, durch das sich der "Rivière d'Argent", der Silberfluß, schlängelt. Uralte Bäume stehen dicht an dicht, dick mit Moosen und Farnen bewachsen. Unwillkürlich suchen wir nach dem mistelschneidenden Miraculix in den Bäumen. Immer wieder öffnen sich Blicke wie in eine Urlandschaft.

Die benachbarten Monts d'Arrée, die wir am nächsten Tag besuchen, sind dagegen so anders, dass wir kaum glauben können, dass so unterschiedliche Landschaften nur wenige Kilometer auseinander liegen können. Fast unwirklich mutet diese leicht hügelige Gegend an, die durch Heidekraut und Ginster lila, braun und blassgrün gefärbt ist. Felsspitzen ragen hier und dort in den Himmel, von dort hat man einen gigantischen Ausblick. Unser Wetter ist eher feucht und neblig, zwischendurch beginnt es zu regnen, was den Charakter des Landschaft noch unterstreicht - es scheint fast nicht von dieser Welt...

Von Locronan, dem nahezu komplett erhaltenen mittelalterlichen Dorf aus Granithäusern, haben wir schon viel gehört. So mancher Film ist hier schon gedreht worden. Der Weg dorthin hat sich in jedem Fall sehr gelohnt, es ist ein wirklich zauberhafter Ort!

Die Halbinsel Crozon hat schon lange auf unserer Wunschliste gestanden, und von unserer Mühle aus ist der Weg zu den Caps an der Spitze gar nicht mehr weit. Cap de la Chèvre steuern wir zuerst an und laufen auf dem Küstenwanderweg einmal um die Spitze herum und durch Rostudel, ein schnuckeliges Granitsteindorf, wieder zurück zum Auto. Wir sind begeistert von den intensiven Farben der Heidelandschaft, die mit dem Blau des Meeres um die Wette leuchten. Im hübschen Camaret-sur-Mer stärken wir uns mit einem Crêpe und besuchen anschließend die Pointe de Penhir, um noch einmal staunend von den Klippen zu sehen.

Aber eigentlich will man ja gar nicht weg von der Mühle!

Beim ersten schönen Tag, nachdem das Wetter uns einige Tag echt im Stich gelassen hatte, machen wir eine wunderschöne Bootsfahrt den Fluß hinauf. Ganz still und spiegelglatt ist das Wasser. Wald und Wiesen säumen die Ufer, die Zweige der Bäume hängen tief herunter... Auf dem Rückweg sehen wir unsere Mühle am Ufer liegen und können es kaum fassen, wie romantisch der Anblick ist.

Meine jüngste Tochter hat anschließend vom Rudern noch nicht genug und holt sich eines der Kajaks für eine kurze Tour in die andere Richtung aus dem alten Schuppen. Unterhalb der Staustufe fliesst das Wasser ganz schön flott, da hat sie viel Spaß beim Kurven um Inselchen, dicke Felsbrocken und die Reste der alten Brücke. Meine älteste Tochter entspannt sich währenddessen lieber im Garten. Und ich? Ich kann nicht aufhören, Fotos zu machen!

Selbst ein völlig verregneter Nachmittag ist nicht verschwendet in der Mühle: während es draußen so richtig nach Weltuntergang aussieht, zünden wir uns drinnen ein gemütliches Kaminfeuer an. Holz ist im Überfluß vorhanden, schön trocken im alten Schuppen gelagert, und bald prasselt das Feuer und verbreitet eine behagliche Atmosphäre. Wir genießen die Wärme mit Tee und einem bretonischen Butterkuchen... so muß Urlaub sein!

Viel zu schnell ist unsere Mühlenwoche schon wieder vorbei. Und obwohl das Wetter uns nicht immer wohlgesonnen war, haben wir die Zeit in vollen Zügen genossen und wären gern länger geblieben. Es gibt so viel zu sehen in kurzer Autodistanz, dass man gar nicht alles schaffen kann. Gern hätten wir uns noch Räder gemietet - vielleicht besser E-Bikes, denn es ist ganz schön hügelig dort - um die unmittelbare Umgebung noch besser kennen zu lernen, ein schöner Abendspaziergang war schon sehr vielversprechend. Und gern hätten wir die Möglichkeiten, die die Mühle bietet, noch mehr ausgenutzt, hätten gern öfter im gepflegten Garten gesessen und die wunderschöne Aussicht auf den Fluss genossen, hätten die Kajaks und das Ruderboot noch mehr genutzt, hätten im Fluss gebadet oder wären noch öfter ganz früh aufgestanden, um im Sonnenaufgang mit der Kamera auf der Lauer zu liegen, um vielleicht doch den Eisvogel noch zu "erwischen"... Wir müssen auf jeden Fall noch einmal wiederkommen, um all das nachzuholen!

Wassermühle in Landeleau (Finistère): Haus Nr. 105

Ingrid Doerenkamp, September 2017