Ferienhäuser Karin Minor
Urlaub in der Bretagne / Frankreich

22. Oktober 2019
Ausflugstipp: Autotour durch die Monts d'Arrée

Einen schönen Ausflugstipp fanden wir in einem niederländischen Reiseführer*: eine Rundfahrt durch die Monts d'Arrée, die zu den schönsten und interessantesten Punkten führt. Das ist toll, wenn das Wetter mal nicht so strandtauglich ist oder man einfach mal wieder etwas sehen und erleben möchte.


Ein Gebirge so alt wie die Welt...

Die Monts d'Arrée sind ein uraltes Gebirge, das vor vielen Millionen Jahren einmal so hoch war wie die Alpen. Nun ist es fast ganz erodiert, die teils sanften, teils wilden Hügel und mitunter schroffen Felsspitzen erreichen nicht einmal mehr 400m, und doch bleibt es eine eindrucksvolle Landschaft. Hier gibt es noch viele Waldstücke mit Rot- und Schwarzwild. Wenige urige Dörfer ducken sich in die Täler. Zum großen Teil gehören die Monts d'Arrée zum Parc Naturel Régional d'Armorique, der sich über das Aulne-Tal mit seiner Mündung bis über die Halbinsel Crozon erstreckt.


Praktisches

Unsere Autotour fand an einem Herbsttag Ende September statt, der ein - sagen wir mal durchwachsenes - Wetter versprach. Es gab viele Wolken, viel Wind, den einen oder anderen Sprühregen, aber auch manchen Sonnenstrahl. Entgegen der Empfehlung des Reiseführers sind wir nicht in Sizun gestartet, sondern in Brasparts, das von unserem Ferienhaus aus (Haus Nr. 105, unsere Wassermühle) am nächsten lag. Die Tour ist ca. 60 km lang, man sollte allerdings einen ganzen Tag einplanen, vor allem, wenn man an den schönen Stellen aussteigen und gucken möchte. Auch sind feste Schuhe bzw. gute Wanderschuhe keine schlechte Idee!


Und los geht's!

Gestartet sind wir also in Brasparts, einem kleinen Bergdörfchen mit einer schönen Kapelle mit Enclos Paroissial**. Hier gibt es am Ortsausgang eine gute Bäckerei. Wer möchte, kann sich hier mit frischem Baguette und leckeren Teilchen für's Picknick zwischendurch eindecken!

Wir sind auf der D785 knapp 3km Richtung Norden gefahren und dann auf die D30 abgebogen Richtung St Rivoal. Hier lohnt sich das Aussteigen auf dem kleinen Parkplatz vor der Mairie. Zu sehen gibt es nicht nur eine Kapelle mit schönem Enclos Paroissial, sondern auch ein sehr schönes, kleines Freilichtmuseum, das "Maison Cornec" (geöffnet Juni-Sept). Obwohl es bei unserer Ankunft noch geschlossen hatte, konnten wir zwischen den wunderbar restaurierten Bauernhäusern herumwandern, die beiden alten Backöfen entdecken sowie den Schulweg und viele sehenswerte Steinhäuser. Toll!

Weiter ging es über die D42 und D342 bis Menez Meur. Ursprünglich ein Landgut mit Tierpark ist es heute vor allem das größte Informationszerntrum für den Parc Naturel Régional d'Armorique. Wir wollten heute nicht hinein, haben aber kurz angehalten, um die prachtvolle Buchenallee zu fotografieren und das neugierige Hochlandrind auf der Weide nebenan.


Zeit für die Mittagspause: Sizun

Dann ging es weiter nördlich über die D342, die D30 und die D18 bis Sizun. Auch hier lohnt sich der Stopp auf dem hübschen Marktplatz. Zu sehen gibt es eine sehr schöne Kirche mit prachtvollem Enclos paroissial, einem der bekanntesten der Bretagne. Im benachbarten kleinen Laden haben wir uns mit Andenken und Mitbringseln eingedeckt. Wer nicht an ein Picknick gedacht hat, findet in Sizun auch Restaurants, wir haben lieber unsere mitgebrachten Leckereien auf einer Bank in der Sonne verputzt.

Nach unserer Mittagspause ging es östlich auf die D764 Richtung Commana. Auf dem Weg haben wir bei den Moulins de Kerouat angehalten. Das ist ein wirklich sehenswertes Freilichtmuseum. Ein ganzes Dorf mit Mühle, Bäckerei, Wohn- und Stallgebäuden, Gerberei u.v.m. ist hier zu besichtigen. Wahlweise ein längerer oder ein direkter Weg führt durch Wiesen, Wald und Auen hindurch und gewährt einen interessanten Blick auf das Landleben vor langer Zeit. (März bis Oktober geöffnet, Prospekte gibt es in französisch und englisch, die akkustischen Informationen sind auf frz.).


Die Landschaft wird rauer

Nach diesem lehrreichen Zwischenstopp ging es weiter über die D764 bis nach Commana. Allmählich wird die Landschaft wilder und die Berge höher. Wir erleben tolle Aus- und Fernblicke, begegnen einer riesigen Schafherde samt Schäferin und Hunden und entdecken auf den Hügelketten die Silhouette des Mont St Michel de Brasparts, den wir später noch besuchen werden.

Auch Commana hat - wie kann es anders sein - eine schöne Kirche mit Enclos paroissial. Aber vor allem die Allée Couverte wollten wir sehen, die etwas außerhalb liegt und wirklich eindrucksvoll ist. Wenn man sich vor Augen hält, dass diese Bauwerke vor etwa 5000 Jahren errichtet wurden, fragt man sich doch, wie die Menschen es damals nur geschafft haben, diese immensen Steine zu bewegen und aufeinander zu schichten. Immerhin kann man nahezu aufrecht durch diese Allée gehen. (Um die Allée Couverte zu sehen, muss man von Commana aus über die D11 wieder bis zur D764 fahren, diese jedoch erst überqueren und ca einen km geradeaus fahren. Nach der Besichtigung der Allée fahren Sie dieses Stückchen wieder zurück bis zur D764 und biegen rechts ein, Richtung Osten).


Der Höhepunkt in mehrfacher Hinsicht: Roc'h Trévézel

Nun ging es ein Stück weiter über die D764 am Roc'h Trévezel vorbei bis zur Kreuzung mit der D785, die im scharfen Winkel rechts abgeht. Nach kurzer Zeit fanden wir auf der linken Straßenseite einen kleinen Wanderparkplatz. Gleich gegenüber wies ein Schild den Beginn des Weges zum Roc'h Trévezel hinauf. Es ist nicht weit, jedoch kein einfacher Weg, für den man feste (Wander-)Schuhe haben sollte. Dafür wird man mit den spektakulärsten Ausblicken belohnt, die das Herz des Finistère zu bieten hat! Der Roc'h Trevezel ist nur 385m hoch, aber einer der besten Aussichtspunkte der Monts d'Arrée!

Nachdem wir viele wunderbare Fotos gemacht und uns richtig haben durchwehen lassen, kehren wir zum Auto zurück und folgen der D785 weiter bis zur Abzweigung, die zum Mont St Michel de Brasparts führt, den wir auf unserer Autotour schon einige Male in der Ferne auftauchen gesehen haben. Es handelt sich um eine runde Bergkuppe, 380m hoch, die mit dem Auto bis knapp darunter gut erreichbar ist und mit einer sehr urigen Kapelle gekrönt ist. Der Ausblick von oben ist in jeder Richtung wunderbar: Weite Heidelandschaften, der große See von Brennilis, sanfte Hügel - über denen wir gerade eben noch das Unwetter auf uns zu kommen sahen, ehe es auch schon wie aus Eimern losregnete! Schnell sind wir zum Auto zurück und sind die Straße weiter durch gefahren, die sich bald darauf wieder mit der D785 vereinte und bis Brasparts zurück führte.


Fazit

Wir waren einen ganzen Tag unterwegs und haben einen guten Eindruck der Monts d'Arrée bekommen. Es war trotz durchwachsenem Wetter ein toller Tag, an dem wir viel gesehen, gelernt und fotografiert haben. Wir sind begeistert!

Zwei weitere "Must see's" der Monts d'Arrée schauen wir uns dann an einem anderen Tag an: Huelgoat, denn dafür sollte man sich auch richtig Zeit nehmen, und den Menez-Hom, der ein bißchen weiter weg liegt.


Ingrid Doerenkamp, Oktober 2019



Anmerkungen:

  * Wat & Hoe Select. Bretagne, Lindsey Hunt, Kosmos Uitgevers Utrecht/Antwerpen, 2009
** Enclos paroissial ist ein Kirchhof, wie er nur in der Bretagne vorkommt: es ist ein umfriedeter Bereich vor der Kirche mit Friedhof, Triumphbogen, Beinhaus und einer hohen steinernen Kreuzigungsgruppe (Calvaire)